Kieldemontage

Kieldemontage am Waarschip 570 – was das Internet nicht verrät

Manchmal macht man Dinge, die eigentlich ganz harmlos klingen. Zum Beispiel: „Ich nehme mal kurz den Kiel ab.“ Klingt einfach, oder? Das Internet sagt das Selbe: „Boot anheben, Bolzen lösen, Dichtfuge aufsägen – und zack, fällt das Ding einfach runter.“

Warum überhaupt der Aufwand?

Ganz einfach: Ich wollte besser an die Schrauben im Rumpf kommen – und wenn man schon mal dabei ist, kann man auch gleich die Kielbolzen prüfen. Denn laut Werft sollte man das bei alten Waarschips unbedingt tun. Über die Jahre kann sich Feuchtigkeit in der Fuge zwischen Kiel und Rumpf ansammeln, und wo Wasser auf Metall trifft, ist Korrosion meistens nicht weit.

Wie schwer kann’s schon sein, den Kiel abzunehmen? Ein paar Klicks später war ich im Internet schlauer: Laut Foren und Blogs war der Fahrplan klar – „Boot anheben, Bolzen raus, Dichtfuge aufsägen und der Kiel fällt quasi von selbst.“
Na dann, dachte ich. Klingt machbar.

Vorbereitung – Hebekonstruktion Marke Eigenbau

Damit ich das Boot überhaupt anheben konnte, brauchte ich ein passendes Gestell. Zum Glück stand noch der alte Carport von meinem Opa auf dem Grundstück – ein paar einfache Holzbalken, die noch brauchbar genug wirkten. Mit zwei Kettenzügen und ein paar zusätzlichen Fichtenstämmen als Stützen wurde daraus meine Hebekonstruktion.

Als Termin wählte ich bewusst einen kalten Wintertag mit ordentlich Nachtfrost – in der Hoffnung, dass die alten Fundamente schön festgefroren und stabil waren. Denn eines ist sicher: Traue nie einem Fundament, das du nicht selbst gegossen hast

Erster Versuch – Optimismus und WD-40

Die ganze Woche vor dem großen Tag habe ich die Muttern der Kielbolzen abends mit WD-40 und Caramba-Rostlöser verwöhnt – quasi Wellness für Gewinde. Am Samstag war dann Showtime:
Muttern gingen ab wie geschmiert (wortwörtlich), und auch die Dichtfuge ließ sich mit Papas altem Multitool recht zügig entfernen. Also Boot anheben und… na ja… warten, dass der Kiel runterfällt.

Tat er aber nicht.

Je höher das Boot, desto höher stieg auch der Kiel mit. Keine Bewegung, kein Ruck, nichts. Also: nochmal Multitool ran, Klinge zwischen Kiel und Rumpf treiben – vielleicht ist da noch Kleber. Nach 30 Minuten segnete das Getriebe des betagten Werkzeugs dann allerdings das Zeitliche. Game Over.

Aufgeben? Niemals.

Ab zum Baumarkt, neues Multitool geholt, diesmal mit frischen Klingen. Zwei Stunden später war die Fuge ringsum freigesägt – und trotzdem: nada. Kiel und Boot hielten weiter Händchen. Im Dunkeln frustriert abgebaut. Nächste Runde, nächste Woche.

Zweiter Versuch – Neues Werkzeug, alte Probleme

Mehr Recherche: Für längere Sägeblätter braucht man ein Multitool mit StarlockPlus-Aufnahme. Meine neue kleine Bosch hatte aber nur Standard-Starlock. Glück im Unglück: Mein Vater brauchte sowieso ein neues Multitool (sein altes war ja tragischerweise bei der Aktion gestorben) – also gleich eins mit StarlockPlus geholt.

Mit der neuen Maschine ging’s besser: Nach rund drei Stunden war auch der letzte Rest schwarzer Dichtmasse um die Bolzen verschwunden. Boot anheben, nochmal: Der Kiel muss jetzt doch endlich…

Nein. Nichts. Wieder nichts.

Langsam wich die Hoffnung der Frustration. Zwischenstand: Viel gesägt, das Kielschwein dabei beschädigt (wird wohl ersetzt werden müssen), aber immer noch hängt der Kiel wie festgeschweißt. Jetzt wurde das schwere Geschütz rausgeholt: Hammer, Keile, Brechstange.

Der Durchbruch – Aluminium rettet den Tag

Letzte Hoffnung: ein Alu-Fällkeil. Mit dem Fäustel vorsichtig (naja…) an der Vorderkante des Kiels in die kleine Spalte getrieben – und siehe da: Er bewegt sich. Millimeter für Millimeter kam der Kiel runter. Unterstützt mit Brechstangen, Holzkeilen, Muskelkraft – und einer ordentlichen Portion Schweiß.

Kurz vor Sonnenuntergang war es dann so weit:
Das Boot stand – etwas entblößt, aber kiellos auf zwei Paletten.
Der Kiel selbst thronte auf dem Trailer.
Victory.

Fazit:
Was in Foren nach „machste mal eben“ klingt, wurde zur Materialschlacht mit Happy End. Aber jetzt: freier Blick auf die Bolzen, Platz für weitere Arbeiten – und Rückenschmerzen vom gebückten Arbeiten.

Das Hebegestell

die Kielverbindung

freigelegte Kielnaht

immer noch keine Bewegung

schon wieder Dunkel, aber es tut sich etwas

Das Gestell hält

gelandet!

Der Kiel ohne Schiff